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Willkommen auf der Mathildenhöhe in Darmstadt,
der Heimat der Wilden 13.

Darmstadt ist die Stadt der Künste, die Stadt des Jugendstils ...

... aber auch eine Stadt, die es versteht, Fremde zu verwirren. Mitten auf dem zentralen Luisenplatz ragt nicht etwa ein Denkmal der Preußenkönigin, die als Mecklenburger Prinzesschen Jugendjahre bei der hessischen Verwandtschaft verbrachte, in den Himmel, sondern der "Lange Ludwig", ein Monument des Großherzogs Ludwig I (eingeweiht 1844). Auch steht das Denkmal für Prinzessin Alice, nach Hessen verheiratete Tochter der Queen Victoria, nicht auf dem Alicen-, sondern auf dem Wilhelminen-Platz. Schließlich befindet sich das Bismarckdenkmal auch nicht an der Bismarckstraße, sondern auf dem Ludwigsplatz. Alles klar?

Auch die Mathildenhöhe ist ein schönes Beispiel für Widersprüchlichkeiten. Darmstadts Museenhügel, auf dem eine Kolonie von jungen Künstlern zwischen 1899 bis zum Ersten Weltkrieg dem revolutionären Jugendstil huldigte – ein "Dokument deutscher Kunst". Hier oben auf der mäßig hohen Stadtkrone fanden sich Bildhauer, Architekten und Maler zusammen, um in allen Sparten und für alle Lebensbereiche eine neue reine Kunst als Antwort auf den Schwulst des späten 19. Jahrhunderts zu schaffen. Gleich neben dem Ausstellungshallen befindet sich der imposante Hochzeitsturm mit seinen eigenartigen, den fünf Fingern einer Schwurhand ähnelndem Turmabschluß, das Wahrzeichen der Stadt.

Davor erstreckt sich langrechtwinklig der symmetrisch bepflanzte Platanenhain (seit 1999 "Großherzogliche Boule Anlage") und die geschickt in das Jugendstil-Ensemble einbezogene Russische Kapelle, gebaut für Alice von Hessen, Schwester des Großherzogs und Gattin des letzten Zaren.

Großherzog Ludwig II. von Hessen hatte die Mathildenhöhe im Osten Darmstadts 1830 als ausgedehnte Parklandschaft anlegen lassen.Im Jahr 1899, als in ihrer Mitte die Russische Kapelle in byzantinischen Formen erbaut wurde, rief der kunstliebende Großherzog Ernst Friedrich eine Künstlerkolonie ins Leben, die zum Durchbruch der Jugendstilbewegung in Deutschland entscheidend beitragen sollte. Die architektonische Gestaltung dieses Kulturzentrums lag in den Händen von Joseph Maria Olbrich (1867 - 1908) aus Wien.

Seine Wohnhäuser, Ateliers und Ausstellungshallen werden von dem fast 50 Meter hohen, originellen Hochzeitsturm überragt, den die Stadt 1908 zur Vermählung des Regenten stiftete. Das weithin sichtbare, aus roten Klinkern gemauerte und von fünf gestaffelten Zinnen bekrönte Bauwerk ist nicht nur zum Wahrzeichen Darmstadts, sondern zu einem Signum deutscher Jugendstilarchitektur geworden.

(Text/Fotos: Archi)

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